Boom für Elektroautos erwartet
Alle Zeichen auf Elektro.
Der Bundesverband für eMobilität sieht die Zukunft der Automobilbranche im elektronisch betriebenen Fahrzeug. Sobald die ersten alltagstauglichen Modelle auf dem Markt sind, wird mit einer boomenden Nachfrage in Deutschland gerechnet. Welche Vorteile habe ich mit einem Elektro-Auto gegenüber einem herkömmlich betriebenen Fahrzeug? Und was ist, wenn der Akku dann dochmal leer ist? Profil hat für sie Vor- und Nachteile zusammengefasst und zieht ein Fazit unter die jetzige Situation.
Boom erwartet
4 Millionen Elektrofahrzeuge hat sich die Bundesregierung als Ziel für das Jahr 2020 gesetzt. Im Moment scheinen diese Zahlen utopisch, denn noch sind rein elektronisch angetriebene Fahrzeuge wahre Exoten auf deutschen Straßen. Allerdings hält der Bundesverband eMobilität diese Zahlen für deutlich zu tief gesteckt und rechnet mit mindestens 4,5 Mio. alternativbetriebenen Fahrzeugen in zehn Jahren. Frank Müller, Geschäftsführer des Verbands eMobilität, ist sich sicher, dass es zu einem Dominoeffekt kommen wird, wenn die Modelle erst einmal ausreichend für den Markt verfügbar sind. Er sieht die Stromer vor allem als Zweitwagen im Stadtverkehr.

Unschlagbares Argument für die alternativ angetriebenen Modelle sind die geringen Mobilitätskosten. Kosten von 2,50 Euro pro 100 Kilometer sind unerreichbar für ein Kraftstoff-Fahrzeug, ganz zu Schweigen von weiter steigenden Spritkosten. Dem gegenüber stehen allerdings die noch immer hohen Anschaffungskosten, die bisher die umweltfreundlicheren Modelle eher zum Statussymbol machen. Hinzu kommen ganz neue Werkstattanforderungen, wenn das Fahrzeug dann dochmal nicht so will wie sein Halter. Nicht jede KFZ-Meisterei kennt sich schon mit den neuen Technologien aus. Dies wird sich nach und nach verändern, je mehr die Anfrage von Kunden steigt wird auch das Angebot der Service-Firmen stark ansteigen.
Als Kontra wird meist die geringe Reichweite der Fahrzeuge aufgeführt. Die im Moment erreichten 100-150km Reichweite schrecken viele Käufer ab. Dabei sind die meisten Fahrten im Alltag deutlich kürzer. Durchschnittlich sind Strecken weit unter 50km lang. Bei gesunkenen Flugpreisen ist fraglich, wie oft man sich noch mit der ganzen Familie im Auto nach Spanien aufmacht. Gerade im Stadtverkehr, wo die Strecke kurz, der Verbauch dafür aber exorbitant hoch ist, wird sich das Elektroauto beweisen.

Wirklich umweltfreundlich?
Ein Plus ist der nahezu emissionfreie Betrieb der Fahrzeuge. Bei der Diskussion über die Modelle muss natürlich bedacht werden, dass
auch die Energie für deren Antrieb generiert werden muss. Strom ist ja
nicht zwangsläufig umweltfreundlich. Bedenkt man, dass noch ein Großteil
der deutschen Stromversorgung mit Atomstrom bewältigt wird und ein
wirkliches Ende, sichtbar an der aktuellen Diskussion über die
Abschaltung der Atommeiler, nicht absehbar ist, wirft dies einen
negativen Schatten auf die Elektro-Mobilität. Der Strom für den Antrieb
der Autos sollte aus erneuerbaren Energie erzeugt werden. Fraglich ist,
ob dass bei 4,5 Mio. Fahrzeugen realistisch möglich ist. Rechnet man den gängigen Strommix um, kommt man auf einen CO2-Ausstoss von etwa 70 Gramm pro Kilometer für den Betrieb eines Elektroautos. Das ist im Vergleich zu normal-betriebenen Autos immer noch wenig, auch wenn die EU-Verordnung hier mittlerweile einen Höchstausstoss von 159 Gramm für neuzugelassene Wagen fordert. Gerade in Großstädten wäre allerdings eine deutliche Luftverbesserung möglich, wenn mehr Autos ohne Emissionen unterwegs wären.

Unterwegs sein ist ein gutes Stichwort, denn was passiert eigentlich, wenn der Akku zwischendrin schlapp macht? Die "Tankpause" könnte dann etwas länger ausfallen. Elektroautos müssen je nach Modell und Ladestation auch schnell mal mehrere Stunden aufgeladen werden, bis wieder gestartet werden kann. Das ist natürlich ein Manko in unserer mobilen Welt. Noch fehlt ein bundesweites Netz an öffentlich zugänglichen Ladestationen, um dann doch einmal die Heimatregion verlassen zu können.
Das Profil -Fazit
Elektroautos werden kommen. Ob allerdings von einem Boom auszugehen ist, ist doch eher optimistisch beurteilt vom Verband eMobilität. Wahrscheinlich muss die deutsche Bundesregierung erstmal den alternativen Antrieb stärker unterstützen, wie es etwa schon in den EU-Nachbarländern der Fall ist. Der Umstieg vom deutschen Traditionsauto auf den kleinen, fast geräuschlosen Stromer wird einigen Menschen durchaus schwer fallen. Das Fahrgefühl der unterschiedlichen Antriebsmodelle ist schwer miteinandner zu vergleichen. Allerdings sind die Reserven fossiler Brennstoffe erschöpflich und auf Dauer muss gerade für die urbanen Ballungszentren über alternative Arten der Fortbewegung nachgedacht werden.
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